Der verborgene Code

Die Vier Elemente im Tarotspiel der Renaissance

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Notizen vom Entdecker 

Zum System der 22 Trümpfe

Vor etwa zwanzig Jahren rief mich eine alte Freundin an, ob ich nicht Lust hätte, sie in Paris zu besuchen. Sie habe einen ganzen Stapel klassischer alter Tarot-Bücher geerbt. In mein Reisegepäck tat ich einen kleinen handbeschriebenen Zettel, auf dem ich ein Jahrzehnt zuvor einen Einfall zur Ordnung dieses Kartenspiel notiert hatte.

Bei Aleister Crowley hatte ich gelesen, daß “der Tarot mit einem Satz ins Leben springt”, sobald seine Karten in eine bestimmte Ordnung gebracht würden. Doch Crowley’s Diagramm bescherte mir mehr Rätsel als Einsicht.

 

Aleister Crowley nahm im Book of Thoth die Zeichen des Zodiak als Grundlage für seine Anordnung.
Wir sehen, daß er der Karte XI (Die Kraft) das Feuerzeichen
Löwe zuordnete. Die Waagschale auf Karte VIII regte ihn zur Parallelle mit dem Zeichen Waage an und die innere Gespaltenheit, die auf der Karte VI zum Ausdruck kommt, drückte Crowley mit dem Sternzeichen Zwillinge aus. Tatsächlich ähnelt das Ausleeren der Gefäße auf der Karte XVII den bekannten Abbildungen des Wassermannes. Aber der Rest seiner Zuordnungen und die Bedeutung der beiden Schleifen (double loop) wollten mir nicht einleuchten.
Ein anderer erfolgreicher Autor, A.E. Waite – Crowley’s Ordensbruder und Konkurrent im
Golden Dawn – ging so weit, die ursprünglichen Plätze der Karten zu vertauschen, weil das der korrekten Reihenfolge im Zodiak entspräche.

Es sind interessante Überlegungen, doch das Original-Tarot-System beruht nicht auf den zwölf Sternzeichen, sondern – was Crowley und Waite nicht wußten – auf der Lehre der Vier Elemente.

*

Schon lange hatte ich mich gefragt, ob es nicht zur Zeit der Entstehung des Spiels eine eindeutige, verbindliche und überprüfbare Ordnung gegeben haben müsse. Aber nach endlosem Bemühen und  vergeblichen literarischen Ausflügen war ich nicht weiter als bis zu meiner kleinen Zettelnotiz gekommen, die letztlich gerade mal aus zwei übereinander stehenden Linien bestand. Zu jener Zeit hatte ich nicht die leiseste Ahnung von Hermetik, von Faltung,  geschweige denn von den Vier Elementen.

In Paris angekommen machten wir uns über die Schätze meiner kartenlegenden Freundin her, aber alas: Alles in diesen Büchern widersprach sich oder schien von einander abgeschrieben. Da legten wir ihren abgegriffenen Tarot de Marseille in der Weise auf den Tisch, wie es in meiner betagten Bleistiftzeichnung angegeben war.

Plötzlich bemerkten wir geheimnisvolle Entsprechungen zwischen der oberen und der unteren Kartenreihe. Die Aussagen der Karten, soweit sie uns geläufig waren, ergänzten oder widersprachen einander.  Es schien, als ob die eine Trumpfkarte Auskunft über die andere geben könne.

Ich entschloß mich, der Sache nachzugehen – und Schritt für Schritt, Jahr um Jahr wuchs dieses riesige Forschungsprojekt auf den Spuren der Vier Elemente im Tarotspiel der Renaissance.

*

Seit langem bemühten sich Tarot-Forscher,
den geheimen Schlüssel zu finden, der alle Karten zum Sprechen bringt.
Hier eine Sammlung interessanter Versuche:

Zur Schlüssel-Galerie »

Die geheime Ordnung entdecken

Über die Faltung der Reihe der 22 Trumpfkarten

Legen Sie die 22 Trümpfe in einer Reihe vor sich hin.

Damit stellt sich das erste Problem:
Narr oder Gaukler ? Mit welcher Karte fangen Sie die Reihe an?

Diese Frage ist seit der Neuerfindung des Tarotspiels im 19. und 20. Jahrhundert mit ebensoviel Verwirrung wie Rechthaberei verbunden.

Für die einen, wie Waite, mußte der edle ‘Magier’ (von Waite als Ersatz für den traditionellen Gaukler erfunden) ganz vorn in der Reihe stehen und der wenig taugliche Narr kam ans Ende. Die Anhänger Crowley’s stellen den Narren an den Anfang, weil das, wie er schrieb “jeder Mathematiker so tun würde”. Wieder andere bugsierten den Narren zwischen Das Gericht und Die Welt. Einigung hat es darüber nie gegeben.

Erfahren Sie jetzt, wie die Renaissance-Meister an die Sache herangingen. Die ursprünglichen Entwickler des Tarotsystems hatten keine bloße lineare Abfolge  im Sinn. Da sie in der hermetischen Kunst der Gegenüberstellung geschult waren, dachten sie von Anfang an in komplementärer Dimension.

Durch Vermittlung meiner Freundin hatte ich das Glück, Alejandro Jodorowsky kennenzulernen, den ‘Tarot-Papst’ Frankreichs, der damals in einem Café vor erwartungsvollem Publikum Karten las.

Alejandro arbeitete an seinem Buch La Voie du Tarot (Der Weg des Tarot). Auf hunderten von alten Tarotkarten hatte er in Kooperation mit dem jüngsten Sproß der Marseiller Cartiers-Familie Phillippe Camoin nachzuvollziehen versucht, wie wohl die Original-Abbildungen der ersten Spiele ausgesehen haben mögen. Durch die große Zahl der Nachdrucke hatten sich Änderungen und Auslassungen eingeschlichen.

Zu meiner Verblüffung legten die beiden Forscher nach zweijähriger gemeinsamer Arbeit in ihren Publikationen vollkommen unterschiedliche Interpretationen vor.

In Jodorowskys dickem Werk fand ich gleich mehrere Vorschläge zur Ordnung der Karten. Die am besten begründete ähnelte etwas der meinen:

Eine seiner Entdeckungen betrifft die drei Würfel auf der Karte mit dem Gaukler. Im Jodorowsky-Camoin Spiel konnte man erstmals wieder die Augen auf den Würfeln sehen.

 

Zusammengezählt ergeben
die Augen der drei Würfel
3×7 = 21.

Abbildung aus dem wiederaufgelegten Original-Tarotspiel von 1760

Alejandro hatte die zündende Idee, die Würfel als Hinweis auf ein Muster in der Reihe der Trumpfkarten zu vermuten. Auf symmetrische Weise verbunden ergeben die Werte von je zwei Karten zusammen genau diese raffiniert in den drei Würfeln verborgene Zahl 21. Diese Zahl wird zum Verifikations-Code für die richtige Anordnung der Trumpf-Sequenz.

Beispiel: Der Teufel  wird zur Gegenkarte für den Liebenden, denn 15 + 6 = 21

Zum Narren als Karte ohne Zahl gehört als Gegenkarte die Welt. (0 + 21 = 21)
Mit der Prüfzahl 21 endet der Streit, welche Karte an den Anfang gehört: Der Narr muß zuerst kommen.

Jodorowsky hat seine Entdeckung der 21 als Schlüssel aber letztlich nie zum besseren Verständnis der Karten ausgewertet, da sich seine Deutung durchgängig auf seine persönlichen Intuitionen zu den einzelnen Bildern und deren Symbolik stützte. Daß die von ihm entdeckte Struktur ‘sprechen’ könnte, hat er nicht bis zu Ende verfolgt.

Daran dürfen Sie sich im Folgenden versuchen.

Haben Sie sich ein wenig mit der Kunst der Faltung beschäftigt? Dann probieren Sie einmal, ihre Kartenreihe so zu falten, daß sich die Werte der einander gegenüberstehenden Karten jeweils zu 21 addieren.

Geschafft?
Das bringt uns zum zweiten Problem. Falls Sie die beliebten Jugendstil-Karten des Raider-Waite Spiels von Pamela Colman-Smith verwenden, sind darin zwei Karten von Waite vertauscht worden. Er hat die Kraft und die Justiz die Plätze wechseln lassen, indem er ihre Zahlenwerte austauschte. Waite glaubte, dadurch die Karten in die Reihenfolge der Tierkreiszeichen im Zodiak zu setzen. (Wie schon der erste selbsternannte Tarotexperte de Gebelin dachte, die im Original ‘vergessene’ Tugend Vorsicht nachträglich einfügen zu müssen, sah auch Waite sich gedrängt, den ‘Fehler’ in der Original-Anreihung verbessern und die Karten in eine von ihm fälschlich angenommene astrologische Ordnung zwingen. Seine eigenwillige Charade setzt das Erklärungs-System der Meister außer Kraft. Selbst wenn die Faltung der Kartenreihe an der richtigen Stelle geschieht, stehen sich nun Karten mit verändertem Inhalt gegenüber und das einst präzise konzipierte komplementäre Erklärungs-Verhältnis greift nicht mehr.

Sie müßten auf den achten Platz die Karte der Justitia legen, denn deren Zahl ist im Original-Spiel die VIII.

Veränderte Ordnung der Trümpfe durch Waite:
Die Kraft auf dem Platz der Justitia
(Die Kraft steht im Original auf Positionn XI.)

 

Aleister Crowley behielt die Reihenfolge des Originalspiels bei, erfand aber neue Namen für seine Karten, was das Verständis des alten Spiels ebenfalls behindert.

Die eigenwilligen Kreationen von Waite, Crowley und ihren beiden Malerinnen werden ihren historischen und künstlerischen Wert immer behalten. Auch zum Kartenlegen mögen sie hervorragende Dienste leisten. Wer sich darüber hinaus für die Geheimnisse des ‘wahren’ Tarot interessiert, kommt an einem Spiel aus der Marseille –Tradition auf Dauer nicht vorbei.

Hermetisches Wissen anwenden

In den vorangegangenen Seiten dieser Einführung in das Code-System der Tarot-Meister haben Sie verfolgen können, wie sich die Gedächtniskunst der Anordnung (ars memoriae) zur Kunst des Kombinierens (ars combinatoriae) entwickelte und wie die Faltung einer linearen Anordnung in einen komplementären Zusammenprall von Gegensätzen (coincidentia oppositorum) mündet.

ars memoriae  | ars combinatoriae  | coincidentia oppositorum

Im Quadrat der Vier Elemente sind alle drei Verfahren miteinander verwoben. Genau dies macht seine magischen Anwendungsmöglichkeiten aus.

Das hermetische Zusammenspiel der Gegensätze innerhalb des Elemente-Quadrates auf der Karte XXI begegnet uns wieder in der Organisation der übrigen Karten. Da auch dort alles kombinatorisch und außerden in Gegensätzen angeordnet wurde, können wir uns der Bedeutung einer Karte nähern, indem wir sie im hermetischen Spannungsverhältnis zu anderen Karten betrachten.
Ein Beispiel aus der Welt der Hofkarten: Die Könige haben zündenden Ideen, aber nur die in der Wirklichkeit operierenden Reiter können sie ausführen. Den Reitern wieder fehlt die Intelligenz und Spontaneität der Könige. Was der eine nicht kann, besorgt der andere. Als Paar funktionieren die beiden ausgezeichnet.
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Bei der Anordnung der Trümpfe in zwei einanander gegenüberliegende Reihen steht die Bedeutung der einzelnen Karte in komplementärer Spannung zu ihrer durch Faltung erzeugte ‘Gegenkarte’.

Spricht beispielsweise eine Karte von Stabilität, wird die ihr gegenüberliegende sehr wahrscheinlich mit Instabilität zu tun haben, vielleicht gar auf einen Zusammenbruch hinweisen.

Sobald klar ist, welche Gegenkarten zusammen gehören, entsteht ein Beziehungs-Muster vor dem geistigen Auge. Wie beim Ausfüllen eines Kreuzworträtsels oder Sudoku gibt es zuerst eine Menge Leerstellen im Verständnis des Musters. Doch hilft jede richtige Bedeutungs-Zuordnung, durch Gegenüberstellung immer weitere Bedeutungen zu erschließen. Je mehr Details wir kennenlernen, desto klarer wird das Gesamtbild.

Hier beginnt Ihre Tarot-Forschung

Fällt Ihnen auf, daß die beiden durch Faltung gewonnenen Zahlenreihen in entgegengesetzte Richtungen laufen?  Die ersten Tarotspiele wurden entwickelt, als Backgammon zu den beliebtesten Unterhaltungen zählte. Vergleichen Sie die Kurve in der Bewegung der Spielzüge auf dem Brett mit der Abfolge der Karten vor Ihnen. Soweit war ich vor etwa 20 Jahren, als meine Odyssee durch die Welt der Renaissance-Magie begann.

Backgammon
auf einem Gemälde von Hieronymus Bosch, 16. Jh

Der Weg vom Start zum Ziel aus einer Spielanleitung zum Backgammon

Vergleichen Sie die Ihnen bekannten Deutungen einer Karte mit denen der Karte in der gegenüberliegenden Reihe. Können Sie erste komplementäre Verhältnisse (gleichzeitiger Widerspruch und Zusammengehörigkeit) erkennen?

Bis hierhin habe ich Sie mit meiner Einführung in das Code-System der Tarot-Meister begleiten können.
Den Gesamtüberblick mit vielen Einblicken in das hermetische Denken und praktischen Übungsbeispielen finden Sie im Buch

DIE MAGIE DER VIER ELEMENTE IM TAROTSPIEL DER RENAISSANCE
– Ein Weltbild wird entschlüsselt –
Buch ansehen »

Die Fortsetzung wird nicht lange auf sich warten lassen. Verfolgen Sie hier auf dem Internet das Entstehen des zweiten Bandes

DAS WELT-THEATER DER SEELE IM TAROTSPIEL DER RENAISSANCE
– Die 22 Trümpfe und der geheime Befreiungsweg der Tarot-Meister –

Mehr erfahren ?  Zur Anmeldung  »

ANMERKUNG

Zur Entschlüsselung des Original-Tarotspiels benötigen sie eine Ausgabe des sogenannten Tarot de Marseille.
Spätere Gestaltungen wie die von Waite, Crowley und ihren vielen Nachfolgern müssen im geschlossenen Bezugsrahmen ihrer jeweiligen Autoren betrachtet werden und eignen sich leider gar nicht zum Verständnis der ursprünglichen philosophischen Botschaften der alten Renaissance-Meister.

Restauriertes Original-Tarotspiel von 1760 ansehen ? »

Die Entstehung des zweiten Bandes
auf dem Internet verfolgen !

Die Codier-Techniken der alten Tarot-Meister, die im 1. Band ARCANUM MINOR ausführlich beschrieben und auf hier im Tarot World Project auszugsweise vorgestellt worden sind, lassen sich nun anwenden auf die Großen Arcana.
Der zweite Band MAGNUM ARCANUM entfaltet erstmals nach 500 Jahren das in den 22 Trumpfkartenkarten verschlüsselte hermetische Geheimwissen.


Begleiten Sie Schritt für Schritt die Wiederentdeckung der

Philosophie des Lichtes
im Original-Tarotspiel der Renaissance.

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