Der verborgene Code Teil 2

Die Vier Elemente im Tarotspiel der Renaissance
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Die Vier Qualitäten

Antike Quelle der Elementelehre

Wodurch entstehen eigentlich die komplementären Spannungsverhältnisse im magischen Elemente-Quadrat ?

Komplementär meint die Gleichzeitigkeit von Gegensatz und Einheit. So haben sich Forscher jahrhundertelang gestritten, ob das Licht aus Teilchen oder Wellen besteht, bis Einstein und nach ihm die Quantenphysiker begannen, zwei zusammengehörige Erscheinungsformen zu konstatieren, die sie zu den bahnbrechenden technologischen Ergebnissen führten, welche heute die alltägliche Lebensweise von Milliarden Erdbewohnern bestimmen – ohne daß diese sich darüber Gedanken machen müssen. Das magische Quadrat scheint da etwas sehr ‘modernes’ zu enthalten, das vielleicht seit dem Niedergang der Hermetik einfach nicht mehr wahrgenommen werden konnte.

Um die Frage nach dem Ursprung der Komplementarität beantworten zu können, muß man wissen, daß ‘hinter’ den Elementen ein noch älteres Organisationsmodell steht: Die Ordnung der sogenannten vier Qualitäten. Schon die Ägypter orientierten sich an ihnen:

WARM & KALT    TROCKEN & FEUCHT

Mit diesen an die Wetterkunde erinnernden Wort-Paaren faßte man die beiden Ur-Gegensätze zusammen, in deren Spannungsverhältnis sich die Welt dem Menschen darbietet.

Herrschaft & Anpassung

Die senkrechte Faltung des magischen Quadrates :

Warm & Kalt

Die Wortpaare funktionieren wie kleine Formeln. Alles was zu WARM paßt, steht automatisch im Gegensatz zu allem, was zu KALT. Zu jedem Begriff, den wir auf der warmen Seite in die Formel einzusetzen, gibt es auf der kalten Seite einen passenden Gegenpart.

Gesellen wir zu WARM die Vorstellung von  innen, so ergibt sich für KALT die Vorstellung von außen. Draußen im Kalten könnte eine verschneite Landschaft sein, während drinnen im warmen Haus ein Feuer im Ofen brennt.

Der große Naturforscher Aristoteles bemerkte über die Warme Qualität, daß sie sich ausbreiten und herrschen will. Von Außen, vom Kalten her läßt sich die warme Qualität nur schwer und ungern beeinflussen. Umgekehrt nimmt die Kalte Qualität alles Warme willig an.  Im Beispiel unseres Hauses im Schnee breitet sich die Hitze des Ofens allseitig aus und wehrt die Kälte draußen ab. Umgekehrt saugt die Kälte draußen Wärme von Fenstern und Mauern ab und nimmt sie auf.

Besonders interessant am Zusammenspiel des Warmen mit dem Kalten wird die Anwendung der Grundspannung auf immer neue Lebens- und Erfahrungsbereiche.

Beispiel:
Die Elementelehre ordnet der warmen Qualität das unsichtbare ICH zu, das aus den Augen heraus in die REALITÄT der Welt hineinschaut. Die warme Qualität des ICH, die unser verborgenes Denken und Fühlen beherbergt, läßt sich von außen nur schwer beeinflussen. Das macht unsere bewußten und unbewußten persönlichen Überzeugungen so resistent. “Die Hoffnung stirbt als Letztes” heißt es, weil Gefühl und Vorstellung trotz schlechter Nachrichten immer weiter auf eine Lösung vertrauen, die sich in der (kalten) Wirklichkeit vielleicht gar nicht mehr einstellen kann. Aber auch unsere Vorurteile, häufig mit starken Gefühlen aufgeladen, sind nicht ohne weiteres zu ändern. Das beobachten wir von zwischenmenschlichen Beziehungen bis in die hohe Politik.

Zwei vollkommen unterschiedliche Szenarien – das Haus im Schnee und die geheime Hoffnung eines Ich in der Welt werden durch spielerische Kombination der beiden Qualitäten Kalt & Warm hervorgebracht.

Die Bausteine Kalt & Warm können jetzt mit anderen zu ihnen passenden Worten, Situationen, Zuständen usw. gefüllt werden.  Jedes Einsetzen eines Begriffes auf die eine Seite der kleinen ‘Formel’ generiert auf der anderen Seite einen komplementären Partnerbegriff.

Ein anderer von Aristoteles hervorgehobener Zusammenhang zwischen der warmen und der kalten Qualität ist der Gegensatz von Beherrschen und Akzeptieren.

Die warme Qualität mit Denken 2 und Fühlen 1 nennt Aristoteles das Gebiet der MÖGLICHKEIT ; die kalte Qualität stellt mit Zusammenspiel 3 und konkreter Erscheinung 4 die REALITÄT dar.

Während das Warme stets dominieren möchte, benutzt die kalte Qualität die leitenden Einflüsse des ICH zur Gestaltung der REALITÄT. Viele magische Werke sind über dieses Zusammenspiel von Ich und Umwelt geschrieben worden.

*

Sehen wir uns an, wie kunstvoll das alles von den damaligen Kommunikations-Designern ausgedrückt wurde:

Den dominanten warmen Bereich rechts auf der Karte XXI teilen sich ein Adler und ein Löwe 1 – die beiden Herrscher und Jäger des Tierreichs!

Die beiden kalten Elemente Wasser und Erde – dargestellt von Mensch und Ochse – können und müssen sich dem Einfluss der warmen Qualität anpassen. Sie reagieren elastisch 3 oder transformierend 4.

A N P A S S U N G

H E R R S C H A F T

Bemerken Sie, wie die Struktur zu ‘sprechen’ beginnt? Allein diese senkrechte Teilung der Karte XXI in Kalt links und Warm rechts läßt uns eine Ahnung bekommen vom naturphilosophischen Blick auf die Rolle des Individuums in der Welt:

Der Mensch auf dem Platz des Wasserelementes ist zwar schöpferisch, weil das eine Eigenschaft des Wassers ist. Doch hier auf der kalten Seite der Elemente-Matrix ist nichts zu spüren vom biblischen Ausspruch “Macht euch die Erde untertan!” und auch nichts von Crowleys illustrem “Tue was du willst sei das ganze Gesetz!”

Mit dem geflügelten Menschen auf dem Platz der Harmonie und des Ausgleichs wundert es wenig, daß es im Original-Tarot keinen ‘Magier‘ gab. Diese Wunschfigur menschlicher Macht wurde erst Jahrhunderte später von berühmten Okkultisten wie Crowley, Waite und deren Nachfolgern ins Spiel eingeführt. Ursprünglich hieß die erste Trumpfkarte nicht Magier sondern Der Gaukler. Es war eine aus der italienischen Komödie abgeleitete Figur, die ein ganz anderes, durchaus humorvolles Weltverständnis wachruft. Im Reich der alten Tarot-Meister, dem wir uns hier aufs Neue zu nähern beginnen, gewinnt der Mensch seine magische Kompetenz nicht durch Experimente des Willens, aber durch Anpassung an die verborgenen Gesetze der Natur.

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Freiheit & Gebundenheit

Die waagrechte Faltung des magischen Quadrates:

Feucht & Trocken

F R E I H E I T
Relativ

Mensch:

geflügelt & beweglich

 

Rind:

lagernd & unbewegt

 

Adler:

geflügelt & beweglich

 

Löwe:

lagernd & unbewegt

G E B U N D E N H E I T
Absolut

Mit anschaulicher Eleganz und sparsamsten Gestaltungsmitteln haben die anonymen Tarot-Meister die vier antiken Qualitäten durch Charakter und Eigenschaften der vier Figuren auf der Karte XXI dargestellt.

Die Gegenüberstellung der schwebenden und lagernden Figuren oben und unten mag dem ungeschulten Auge als bloße ästhetische Wahl der Kartenmacher erscheinen. Doch dahinter verbirgt sich eine andere wichtige Unterteilung, mit der wir das Elemente-Quadrat zum Sprechen bringen.

Die beiden im magischen Quadrat unten stehenden Elemente Feuer und Erde, die Anfang und Ende des platonischen Entstehungsprozesses beschreiben, wurden trocken genannt. Die oberen beiden Elemente Wasser und Luft nannte man feucht.

Die Begriffe Trocken und Feucht wurden vor über 2000 Jahren der Naturbeobachtung entlehnt. Das Trockene muss sich vor dem leisesten Quentchen Feuchtigkeit hüten, sonst wäre es nicht mehr vollkommen trocken. Feuchtigkeit dagegen hat immensen Spielraum von leichter Schwüle bis zu triefender Nässe. Solange etwas nicht völlig ausdörrt, bleibt es feucht. So veranschaulichten die Worte Trocken und Feucht früher das, was wir heute unter Absolut und Relativ verstehen. Davon abgeleitet sind die Begriffe Gebundenheit (absolut) und Freiheit (relativ).

Um den Anker ist ein Delphin geschlungen. Freiheit umspielt Gebundenheit.
Dies in der Renaissance sehr bekannte Emblem zeigt die komplementäre Verwobenheit der Extreme.

Ich denke, es wird langsam verständlich, warum ich das komplementäre Verhältnis der vier antiken Qualitäten eingangs als ‘Ur-Gegensätze’ bezeichnet habe. Links-Rechts geteilt zeigt uns die Elemente-Matrix die Komplementarität von Herrschaft und Anpassung. Oben und unten geteilt finden wir Freiheit und Gebundenheit. Wenig hat die Menschheit so beschäftigt, wie diese Gegensätzlichkeiten.

Es sind also die vier antiken Qualitäten, die den Elementen ihre gegensätzlichen Naturen vermitteln:

F E U C H T
Frei, relativ

Wasser

K A L T
Außen, Wirklichkeit
Anpassen & Transformieren

Erde

Luft

W A R M
Innen, Möglichkeit
Herrschen & Lenken

Feuer

T R O C K E N
Gebunden, absolut

Dies einfache Schema zeigt, warum Gefühle im Leben so mächtig sind. In ihrer Gesamtheit machen sie die innere Einstellung aus, mit der wir in die Welt blicken.  Durch die blitzschnell agierende Kraft des Feuerelementes werden Gefühle zum entscheidenden Impulsgeber für alle folgende Entwicklung. Die warme Qualität macht sie für äußere Einflüsse schwer zugänglich, Trockenheit verleiht ihnen Festigkeit und Unnachgiebigkeit.

Beispiel: Angenommen, das Denken 2, das die Zügel hält, möchte eine eingeschlagene Richtung ändern. Aber seine Stärke ist nicht absolut wie die des Feuers (trocken), sondern nur relativ (feucht), also schwankend und beeinflußbar: Wenn die augenblickliche Laune, die innere Haltung  1 dem Umschwenken entgegen stehen, geschieht trotz besten Wissens und bester Vorsätze  wenig oder gar nichts. Das trifft auf eine einzelne Person zu, aber auch auf ganze Gesellschaften. Wo das innere Feuer, der Elan fehlt, bekommt man in der kalten Wirklichkeit ‘den Hintern nicht hoch’.

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